Kunstraum Liebusch

 

  Unsere Bücher:

 

 

 

Meine Interzone von Michael Liebusch

 

ISBN - 978-3-752-66918-3 - 9 Euro

(auch als E-Book) ISBN 9783752601053,  2,99 Euro.
Der Vertrieb erfolgt im Format epub

64 Seiten mit 4 Abbildungen

 

 Lesung von Michael Liebusch aus "Meine Interzone" (16 Minuten), aufgenommen in der Klosterpresse Frankfurt 2020

hier geht es zur Aufnahme

 

Unter dem MM-Zeichen des Frankfurter Hauptbahnhofs fährt der Zug ins Freie, der den jungen Erzähler in jenes für ihn mythische Deutschland hinter dem Grenzzaun führt. - Sacht, aber unaufhaltsam driften die Vorbereitungen zum Heiligabend in das alljährliche absurde Ritual. - Beim richtigen Schreiben von Wörtern in Obhut des strengen Vaters gerät der Erzähler ins Fabulieren über die Bezeichnungen in der Welt. Erst recht auf der Schreibmaschine und beim Stenografie-Unterricht.

"Ich bin der Zwischenraum zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich nicht bin", schreibt Fernando Pessoa. - In diesen Transitzonen, Räumen des Übergangs, bewegt sich auch der Ich-Erzähler in Michael Liebuschs drei kleinen autobiografisch gefärbten Geschichten. Im scheinbar Alltäglichen kommt das Besondere zum Vorschein. Prägende Stationen auf dem Weg zum Erwachsenwerden werden treffend und humorvoll erzählt. Fast beiläufig kommt das Ungeheuerliche daher.

                                                                                                                                       Raimund Gerz

 

 

 

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Brigitte Bee

 

 

„Von Querköpfen und Taugenichtsen

 

 

Geschichten aus dem Frankfurt der 80er Jahre

 

 

 Frankfurt am Main, 2. Auflage 2020  

 

ISBN -  978-3-752-62756-5

  10,- Euro

 

Die Alltagshelden und Antihelden dieser Geschichten verblüffen durch eine unverblümte Offenheit, radikale Mitmenschlichkeit, phantasievollen Widerstandsgeist und gekonnten Umgang mit dem Scheitern.

 

 

 Sie überraschen mit kuriosen und sehr speziellen Überlebensstrategien.

 

„Diese Wüteriche können auch träumen und utopische Weltmodelle entwerfen“

 

 

Als Frankfurt noch ein Moloch war

Rezension von Susanne Konrad

Brigitte Bee: Von Querköpfen und Taugenichtsen. Geschichten aus dem Frankfurt der 80er-Jahre.

 

„Die achtziger Jahre sind geprägt vom Wertewandel. Die rasanten Entwicklungen im technischen und ökonomischen Bereich stoßen an Grenzen, Bedrohungen von Frieden und Natur werden thematisiert“,  schreibt Michael Liebusch in seinem Vorwort. „… Die Friedensbewegungsdemos, der West-Ost-Konflikt, das Auftauchen von AIDS in Deutschland, der atomare GAU. In Frankfurt die Umstrukturierung des Stadtbildes, mehr und mehr Hochhäuser, die Protestbewegungen gegen die Startbahn-West, die Umweltverschmutzung.“

Liest man die literarischen Skizzen von Brigitte Bee, taucht das Bild eines düsteren, teils verruchten Frankfurts aus der Versenkung auf, eines Frankfurts, das wir einerseits gern losgeworden sein wollen, das wir aber andererseits vermissen. Wenn wir Brigitte Bees Miniaturen auf uns wirken lassen, kriegt das Vermissen die Oberhand. Denn sie offenbaren eine Echtheit durchlittenen Lebens, von dem in der späteren, gepflegten Hochglanzmetropole nicht mehr viel übrig ist.

Die Autorin lässt Männer zu Wort kommen, eher schrullige Typen, die irgendwie an den Rand der Gesellschaft katapultiert worden sind. Da ist der klassische Alkoholiker, der aus seiner Wohnung raus muss, genauso wie der sehnsuchtsvolle, aber übergewichtige Stalker in der Oper oder der Putzmann im Bordell, der vom Zuhälter Schläge einstecken muss. Oft ist die Rede vom Tod, vom eigenen oder von dem der anderen. In einer unprätentiösen, aber dichten Sprache werden Stimmungsbilder erschaffen, hinter denen oftmals existenzielle Sorgen stecken.

Die Texte basieren auf Gesprächen, die Brigitte Bee in den Achtzigern mit Männern zwischen 17 und 70 geführt hat. Jetzt, 40 Jahre später, hat sie die authentischen Zeugnisse zu einer überindividuellen Tonlage synthetisiert, hinter der die konkreten Personen sich auflösen. Die Lebensfragen und Probleme der Menschen bleiben aber sichtbar, genauso wie ihre Räume (Kaufhof, Eduscho und HL-Markt) und Dinge wie das Radio oder das Wienerwaldhendl. Sprachliche Sprengsel („Chaoten“, „Patte“ oder  „Smokinghemd“) schaffen eine dichte Atmosphäre und führen tief in die Seele der 1980er Jahre und ins dunkle Herz der Stadt Frankfurt, als sie noch ein Moloch war.

 

Susanne Konrad www.susanne-konrad.de

 

 

 

 

Brigitte Bee

 

Lisbeth lässt sich nicht unterkriegen

 

Geschichten über das Altwerden

 

Coverbild von Gertrud Mehrens

 

Paperback, 88 Seiten, Hg. Michael Liebusch, ISBN-13: 9783752661965

 

Wann beginnt das Altwerden? Mit der ersten Falte oder dann, wenn erstmals die Rente ausgezahlt wird, oder erst, wenn man pflegebedürftig wird?

 

 

Lisbeth hat ihre eigene Weise, mit dem Älterwerden umzugehen. Einerseits staunt sie über sich selbst, wenn hier und da der Körper nicht mehr so mitmacht. Andererseits fühlt sie sich lange doch sehr brüskiert, wenn sie von ihrer Umgebung spürbar in die Kategorie der Alten einsortiert wird.

 

 

Nicht nur Ärzte, Pflegekräfte, das Gesundheitssystem oder Menschen, die es gut oder weniger gut mit einem meinen, machen Vorschriften, wenn man nicht mehr „reibungslos“ funktioniert.

 

 

Da sie auf dem Lande lebt, weiß sie, dass es dort so manche besondere Verhaltensweisen gibt, die von einer älteren Frau erwartet werden. Darüber könnte man lachen, man könnte sie provokativ überschreiten, sie still ignorieren oder hin und wieder mal annehmen.

 

Lisbeth gelingt es mit  ihrem Humor und phantasievoller Widerständigkeit, sich, bis zum Lebensende, eigene Handlungsoptionen und einen freien Geist zu erhalten.

 

 

 

 

Nach «Der fabelhafte Hub», «Die Hauptstadt von Island» und «Ütopie» liegt dieser neue Liebusch vor. Der Autor zieht die Lesenden wieder in seine typische Liebusch-Welt hinein. Seine Helden des Alltags leben in einer deutschen Großstadt, anfangs des 21. Jahrhunderts. Sie fühlen sich nicht recht wohl in ihrer Haut, leiden an ihrer komplizierten Lebenssituation, gesellschaftlichen  Anforderungen, an Beziehungen, Einsamkeit oder ge-scheiterten Karrieren. Es gelingt ihnen jedoch, das Unerträgliche mit phantastischen, zuweilen skurrilen Mitteln, allein oder gemeinsam, mit neu hinzugewonnenen Gefährten zu unterwandern.

                                                                                                   Brigitte Bee                                                                                     

Jede Menge Zeit 2017

ISBN - 978-3-744-83496-4, 19 Euro (Hardcover)

(auch als E-Book) ISBN 978-3-744-80620-6, 7.99 Euro

60 Seiten, Einband mit künstlerischer Gestaltung von Nicolai Schuy

 

 

 Brigitte Bee, Hilde Heyduck-Huth

Der Kurpark Bad Orb

Ein Loblied

 

"Ein schöner Garten:

der Park in Bad Orb - für mich

und and´re Menschen."

 

 

 

 Mit Bildern von Hilde Heyduck-Huth

Cocon-verlag.de, 2016

 

Dieses poetische Park-Brevier möchte u einem geruhsamen, genussvollen Spaziergang einladen. Lassen Sie sich von den kleinen und großen Wundern berühren, die ein solch besonderer Ort in sich birgt.

 

 2. ergänzte Auflage, 106 Seiten, Paperback, 9,90 €, ISBN 978-3-941848-15-3 

(Buch vergriffen)

 

  

 

Araki Verlag Leipzig

broschierte Ausgabe, Softcover
erschienen 1. Auflage, 1. Oktober 2017
73 Seiten,   Preis [D] 10,00 €
ISBN 978-3-936149-26-5

 

"Brigitte Bee setzt die Phasen der Liebe lyrisch als individuell universelles Phänomen um, verschlüsselt und entschlüsselt die Mechanismen, die Metamorphose von Gefühls- und Seinszuständen."

(Michael Liebusch)

 

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"Wirbelndes Sprechwerk - Wörtersonnen", Lyrik, 106 Seiten, geschrieben von Brigitte Bee.

 
ISBN: 9783941848153
Araki Verlag, 2013

 

Lesung:

 

mehr auf dem Link zum Araki Verlag

 

 

 

 

 

 

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 "Ütopie", geschrieben von Michael Liebusch, Bilder von Men Rabe, Layout von Nicolai Schuy, 2013

 

Hardcover: 156 Seiten mit 35 Farbbildern, BoD, 25,90 Euro, ISBN 978-3-7322-8590-7.

Taschenbuch: 156 Seiten mit 35 schwarzweißen Bildern. Bod; 12 Euro, ISBN-13: 978-3732279968, auch als E-book ISBN 9783732270323, 6,49 Euro.

 

Von Brigitte Bee

 

 Willibald Sechzig, im nebulösen Amt für Arbeit und Energie beschäftigt, durchleuchtet das Leben seiner „Kunden“ und bewertet es mit Bürgerpunkten. Seit der verflossenen Liebe zu Kulana scheint seine Zeit stehengeblieben. Die „Dinge“ um ihn verlieren an Wirkung und erscheinen wie ausgelaugt. Beim Mittagessen im Lokal weicht seine Gabel auf, die Spaghetti wachsen über den Kopf. Sechzig kippt um. Die Folge eines lange gefühlten Kräfteschwunds.Die Sechzig/Welt-Konstruktion gerät aus den Fugen. „Dinge“ greifen in sein mühsam eingerichtetes Privatidyll ein. Ein Flaschenautomat bezweifelt seinen Verstand, ein Tier labt sich an seinem fülligen Leib, ein Stein philosophiert. Der Tod seines älteren Bruders tritt in sein Leben. Ein Schreiben vom Ministerium an ihn verkündet große Umwälzungen für die Bürger. Sechzig bleibt dem Amt fern, erforscht sein Lebensumfeld neu und gerät auf bisher verborgene Schauplätze. Linderung seiner Irritationen findet er in selbstverliebten Wortspielen und lustvoll ausschweifenden Gedanken. In seiner Welt der „Dinge hinter den Dingen“ reist er bequem in seine Kindheit, wirkt als Gnom und reimt sich die Beziehung zu Kulana neu zusammen. Auf der Wanderschaft kommt Sechzig in ein geheimnisvolles Dorf mit seltsamer Neigung zum Umlaut Ü.

 

Willibald Sechzig: "Gerne würde ich zum Nutze der Menschheit etwas Großartiges beitragen, mehr Licht in die Welt bringen. Am liebsten wäre ich etwas revolutionär. Die Beschaffenheit meiner Person lässt es aber nicht zu. Mein Umfeld ist wenig aufrührerisch, kaum von lebendigem Geist, zaghaft und verhalten im Tun. So begnüge ich mich oft mit einem mürrischen Grollen, um Herr der Lage zu werden. Es hat sich im Bereich des Magens angesiedelt und ist der leise Widerstand eines behäbigen, einsamen Tiers. Aber manchmal wendet sich das Blatt, unvorhergesehen wird alles komisch, phantastisch und kommt mir wie ein langer Witz vor."

 

Einige der Metamorphosen des Willibald Sechzig, bildlich umgesetzt von Men Rabe im Buch:

 

    

 Sechzig koexistiert mit einem Schwein. Sechzig wächst ein Blume auf dem Kopf. In Sechzig bastelt ein Zahnarzt an einer Magenbrücke.Sechzig schrumpft und trifft einen Zwergbayer. Sechzigs Amtsleiter verwandelt sich in ein Pferd. Sechzig vertrinkt mit W. Brandt und H. Juhnke seinen Lottogewinn. Sechzig mutiert zu seinem Bruder.Menschen werden zu Fahnen. Steine versprechen eine neue Welt- Sechzig mutiert in ein wundervolles Dorf namens Ülpien.

     

 

    

 

 

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"Die Hauptstadt von Island":

Erzählungen von Michael Liebusch, 2011

Books on Demand, ISBN 978-3-8448-0773-8

Paperback, 84 Seiten, 8 Euro, , Auch als E-book erhältlich.

 

 Was haben Vulkanausbrüche mit der Finanzkrise zu tun? Vieles und nichts. Michael Liebuschs moderne Helden finden in einer Zeit brüchiger Lebenserhaltungssysteme ungewöhnliche Lösungen. Mit Witz, Übertreibung und einem Schuss Boshaftigkeit handeln sie im unvernünftigen Raum. 17 Geschichten von Einsamkeit, Not, Leere, Ignoranz und Ziellosigkeit heutiger Menschen. Aber auch von stets aufkeimendem Lebensmut, Momenten der Hoffnung und heilsamer Erinnerung.

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Rezension in RATTUS LIBRI, Ausgabe 116, Mai 1012 von Irenze Salzmann

Michael Liebusch, Jahrgang 1963, geboren in Kelkheim/Taunus, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Frankfurt/Main, wo er auch heute lebt. 1989 gründete er den ‚Kunstraum Liebusch‘, eine Künstlergruppe, die u. a. Ausstellungen und Lesungen organisiert und dank Book on Demand auch Bücher publiziert, die in die Bereiche der experimentellen Literatur und des Surrealismus fallen, auch wenn sie sich mit recht alltäglichen Themen, die die meisten schnell abtun oder am Stammtisch diskutieren, intensiver befassen.
„Die Hauptstadt von Island“ ist nach „Der fabelhafte Hub“ und „Bewegungsversuche“, zusammen mit Christian Bedor, der dritte Band mit Erzählungen von Michael Liebusch. Die Gestaltung des Taschenbuchs durch BoD ist solide und kann mit den Publikationen der ‚großen‘ Verlage mithalten. Die Schrift ist etwas klein, wirkt aber durch einen angemessenen Satzspiegel, der den Platz gut ausnutzt, nicht zu gedrängt. Man erhält somit doch einiges an Lesestoff, darum gehen EUR 8,- für rund 80 Seiten auch in Ordnung.
In elf Kurzgeschichten greift der Autor sowohl aktuelle Themen auf, die durch die Medien gingen, als auch ganz persönliche Schicksale, wie sie der Leser selbst erleben oder beobachten könnte:
„Mendel kann nicht reisen“, weil er seine Arbeitsstelle verloren hat und damit die finanziellen Möglichkeiten, dieser Situation räumlich zu entfliehen. Völlig traumatisiert gerät er in die Gefangenschaft eines anderen Mannes, dem das Leben übel mitspielte und der, anders als Mendel, der passiv alles über sich ergehen lässt, seinem Frust durch Aggressionen Luft macht. Und es kommt gar noch schlimmer für Mendel, der vielleicht nie wieder aus diesem Albtraum erwachen wird und will, weil er für sich keine Zukunft mehr sieht.
„Die Hauptstadt von Island“ ist keineswegs Oslo, wie der Kandidat Brandmeier in der Quiz-Sendung auf die entsprechende Frage geantwortet hat. Ihm selber ist das ausgesprochen peinlich, doch lässt sich der banale Fehler nicht aus der Live-Sendung nachträglich herausschneiden. Die Folgen sind gravierend, aus der Mücke wird ein Elefant gemacht: Island und Norwegen beschweren sich, und … der Moderator erlebt letztlich eine Überraschung, die sein Weltbild auf den Kopf stellt.
„Der alte Mann liebt sein Brot“ und hat eine völlig eigene Sicht der Dinge. Vieles von dem, was um ihn herum vor sich geht, versteht er nicht oder benennt es ganz anders – und umgekehrt. Doch wer hat nun die ‚richtige‘ Betrachtungsweise? Was ist überhaupt ‚richtig‘? Reden nicht ohnehin alle Menschen aneinander vorbei?
Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten, zu denen der Leser eine Beziehung aufbauen könnte, weil sie etwas erleben, das er nachzuvollziehen vermag, es aber nicht tut, weil sie Distanz zu ihm und zu ihren Mitmenschen wahren. Jeder ist isoliert, selbst wenn er einen Lebenspartner oder Freunde hat, gefangen in seiner eigenen Welt, an der er andere nicht teilhaben lassen kann, weil jeder eigene Probleme, eigene Ansichten und eine eigene Sprache hat, jeder sein Schicksal selbst meistern muss. Den einen gelingt es, sich irgendwie zu arrangieren, indem sie Kompromisse eingehen, sich belügen oder selbst aufgeben, die anderen bleiben in ihrem Albtraum gefangen, ohne jemals ein Licht zu sehen.
Manche Situationen wirken komisch und skurril, und doch erstarrt das Schmunzeln ob des bitteren Beigeschmacks.
„Die Hauptstadt von Island“ wendet sich an ein Publikum, das sich abseits der oberflächlichen Unterhaltungslektüren und des Mainstreams moderne, zum Nachdenken anregende Titel sucht. Es lohnt sich, einen Blick in das ansprechend gestaltete Buch des kleinen Labels Kunstraum Liebusch zu werfen! (Irene Salzmann)

 

"Was verändert sich, wenn man in der großen Show des Wissens Sieger wird? Gibt es einen dauerhaften Zugewinn an Macht, Reichtum und Reputation, durch die Herrschaft über ein lexikalisches Wissens-Imperium im eigenen Gehirn?
Bei Liebuschs Erzählungen erfährt man, welche Macht im Nicht-Wissen liegt. Systeme, die auf abfragbarem Wissen basieren, werden in makaber-skurrilen Wissensschlachten von den Nicht-Wissenden ausgehebelt. 'Wie heißt die Hauptstadt von Island?' wird da ein Kandidat befragt und mit einer falschen Antwort bricht die Struktur eines Landes zusammen, internationale Verwicklungen treten auf, die zu existentiellen kuriosen Verstrickungen führen. Ist unser Wissen eigentlich durch Wirklichkeit abgesichert?
Michael Liebusch schreibt Erzählungen, die das Lesen zu einer Reise in ein schwarzes Loch des ungewissen Wissens machen. Alles, was man weiß, alles was geschieht, könnte auch ganz anders sein. Seltsame Wendungen, erstaunliche Ereignisse, alles ist völlig unvorhersehbar. Liebuschs kurze Geschichten ziehen die Lesenden in einen Sog fremdartiger Denkmodelle hinein. Das Leben in der Geborgenheit der Gewohnheiten birgt Abgründe. Ein falscher Tritt, ein falsches Wort und der Hausschuh, das Frühstücksei, der Raum, die Zeit verändern ihre Struktur. In einer Gesellschaft, in der untote Fremdkörper kommunizieren, ist die Sehnsucht das einzig existente Gefühl. Diese Gefühlsmechanik einer unbestimmten Sehnsucht ist es, welche Männer und Frauen, die sich stets in ihrem eigenen Körper fremd fühlen, zueinander hin und wieder weg bewegt. Die Täter zu Opfern werden lässt, die Sinnloses sinnvoll werden lässt. Das alles hat durchaus auch immer eine gewisse Komik. Unmöglichkeit des Liebens, des Siegens aber auch des Verlierens wird in diesem Buch zu einem sich selbst erneuernden System. Undenkbares lauert irgendwo in jeder dieser Geschichten und das macht neugierig. Das Lesen verändert den Blick auf die scheinbar so stabile Konstruktion des privaten wie öffentlichen alltäglichen Lebensraums.
Liebe wird in einer Liebusch - Geschichte zum Bluthochdruck-Gemetzel, das nicht mit dem Tod sondern mit der Liebe endet, während Weihnachten zwar immer mit dem Tod endet, aber doch die Bereitschaft zur Liebe weckt. Das letztendliche Scheitern der Frau Schlehenfroh oder des Herrn Enkelmeier an den eigenen Utopien, führt zum Sieg des Individuums. Man kann dieses Buch nicht aus der Hand legen, denn es macht Lust zu denken, lässt uns schmunzeln und macht Hoffnung, gerade weil es die Festigkeit von Denkmustern permanent in Frage stellt."

Brigitte Bee 2011

 

 



   "Bewegungsversuche":

    Erzählungen von Christian Bedor und Michael Liebusch
    Preis: EUR 8,80, Broschiert: 92 Seiten
    Verlag: Books on Demand Gmbh; 2008
    ISBN-10: 3837042723
    ISBN-13: 978-3837042726

    E-Book: ISBN 9783842323193, Preis: EUR 7,49
   
    Rezension von Irene Salzmann, Rattus Libri :
klicken Sie hier

 

 Vorwort zum Buch:

Handy, Sushi, DSL: die Inflation von neuen Begriffen und Abkürzungen lässt viele Menschen kopflos zurück. Sie können aus dem Gleichgewicht geraten. Manchmal rempeln sie Mitmenschen auf dem Bürgersteig an.

Aus der alltäglichen Beschleunigung, Schnelligkeit und Hast, resultieren oft bizarre Folgen. Einfachste Bewegungen können deshalb große Herausforderungen sein. Ist Bewegung Weg und Ziel zugleich? Bewegungsstudien belegen, dass das Fortgehen ein Heimkommen bedeuten kann.

Die Autoren Christian Bedor und Michael Liebusch haben das Anliegen, ein eigenes Tempo des Erzählens zu finden.

Das Frankfurter Bankenviertel aus der Sicht einer Stubenfliege, Tennis-Satz-Dialoge in der U-Bahn, eine tödliche Bergwanderung zu einem Hochzeittagsgeschenk, der Weg des Schreibens als Erinnerung an ein nicht eingestandenes, grausames Verbrechen sind für die Autoren Leitmotive.

Christian Bedor sieht sich beim Erzählen als Chronist seiner (Frankfurter) Zeit. Michael Liebusch tritt als leiser Utopist auf, oft sind surreale Lösungen in seinen Erzählungen erkennbar.

In dieser Verbindung liegt der Reiz des Buches. Zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Reise und Bewegung, die neue Perspektiven schaffen.

Christian Bedor: “Die Fliege” -
pdf-Lesetext
Michael Liebusch - “Der weitsichtige Schwimmer” -
pdf-Lesetext .

 


  

  
   Der fabelhafte Hub:

   geschrieben von Michael Liebusch
   mit Zeichnungen von Edith Kaiser

   Vorworte von B. Bee und dem Galeristen C.P.Schneider
  
  
89 Episoden, 56 farbige Bilder, 152 Seiten.
   ISBN 978-3-8391-2116-0, Books on Demand,

   Norderstedt 2009, € 22,00 [D],

   Als E-Book: ISBN 9783842395312 für € 16,99
 

mit einem Essay von Johannes Farr: Proteus` Reise in die Moderne oder: "Hub und seine Verwandten".

 

Einst, an einem ihm entfernten Ort, glücklich und alleingelassen, dachte Michael Liebusch über Hub nach, den es noch nicht gab. Über ein Wesen, das zur Welt dazugehören will. »Ja«, sagt dann Hub zu Michael Liebusch, der fragend in seine Kaffeetasse schaut, »ich stamme von einer einsamen Insel, bin nach der Geburt von einer Ziege genährt worden und habe nie andere Menschen gesehen. So habe ich gelernt, mir meine eigenen Geschichten zu erzählen.«

 

Von Irene Salzmann (2010)

 

»Der fabelhafte Hub« ist kein Mensch, aber sehr viel menschlicher als viele Personen, denen man alltäglich begegnet. Er wurde auch nicht geboren, sondern eines Tages vom Meer an das Ufer einer Insel gespült, wo ihn eine Ziege mit ihrer Milch ernährte. Lange vermisst Hub nichts, freundet sich mit den Tieren seiner kleinen Welt an, träumt vor sich hin und ist glücklich.
Tief in seinem Innern möchte Hub jedoch wissen, woher er stammt und wer seine Eltern waren. Er begreift, dass er anders ist als die Tiere um ihn herum und sehnt sich nach Seinesgleichen – nach menschlichen Kontakten. So verlässt er seine heile Welt und betritt die der Menschen.
Praktisch mit den Augen eines Kindes und unvoreingenommen betrachtet Hub sein neues Umfeld und bleibt trotz gewisser Integritätsversuche ein Außenstehender. Was er sieht, nimmt er aus einer ganz eigenen Perspektive wahr, die Personen, die in jenem Milieu aufwuchsen, verschlossen bleibt. Was er erfährt, nimmt er wortwörtlich; seine Erklärungen für die Dinge sind einfach und unmittelbar. In Folge reden er und seine Bekanntschaften, die unnötig kompliziert denken und festgefahrene Standpunkte haben, oft aneinander vorbei.
Im übertragenen Sinn erlebt Hub das, was vielen (Introvertierten) widerfährt, die in eine neue Umgebung und unter andere Menschen versetzt werden: Man muss das Vertraute verlassen, und nicht immer gelingt es, Fuß in dem fremden Umfeld – in einem relativ geschlossenen Kreis – zu fassen. Die Gruppe hat ihr eigenes kleines Gesellschaftssystem und feste Strukturen, die für den Neuling schwer zu verstehen sind (das Kind im Kindergarten oder der Schule, das als einziges aus einem anderen Dorf oder unter dem Jahr dazu kommt, der Student im 1. Semester, der fremd in der Stadt ist und Anschluss bei den Leuten in seinen Vorlesungen und im Wohnheim sucht, der Angestellte, der versetzt wurde und seinen Platz unter den neuen Kollegen und Nachbarn finden muss, die jungen Eltern, die durch ihre Kinder einen neuen Bekanntenkreis zu erschließen versuchen …).
Die kleinen Geschichten, die sich um Hub ranken, lassen sich vielfältig interpretieren. Auf unaufdringliche Weise kritisiert Michael Liebusch durch die naive und doch tief schürfende Weltsicht seines Protagonisten starre Systeme und etablierte Verhaltensweisen, den Mangel an Miteinander und Verständnis für andere, den Egoismus und die Ignoranz. Man erkennt die eine oder andere Anleihe/Anspielung des Autors wieder, darunter die Schaum geborene Venus, Cervantes »Don Quixotte« und den Schmetterlingstraum des Chuang-Tzu.
Der Band ist in zwei Abschnitte mit jeweils 28 Erzählungen von unterschiedlicher Länge gegliedert. Im ersten Teil erfährt man, wie Hub geboren wurde, wie er seine Insel verließ, um nicht mehr allein zu sein, und wie er die ihm fremde Welt der Menschen erforscht. Dabei wird er mit alltäglichen Situationen konfrontiert, zum Beispiel mit einer Urlaubsreise und einem Aufenthalt im Wartezimmer eines Arztes. Nicht mehr ganz so zufällig wirken Hubs Erlebnisse in der zweiten Buchhälfte, in der gezielt bestimmte Themen, die jeden mehr oder minder beschäftigen, ernsthaft behandelt oder auf die Schippe genommen werden wie der Sinn beziehungsweiseUnsinn der modisch zerlöcherten Hose oder das wohl gemeinte Märchen vom Weihnachtsmann.
Die Illustrationen von Edith Kaiser sorgen auch optisch für einen gewollten Bruch: Im ersten Teil sind es schwarz-weiße Aquarelle, im zweiten cartoonhafte, am PC kolorierte Zeichnungen, die Situationen aus den Geschichten darstellen.
Der Autor bewegt sich in vertrauten Bereichen und verfremdet diese durch die eigentümliche Betrachtungsweise seines Protagonisten. Er bringt den Leser dazu, sich über etwas, was für gewöhnlich nicht weiter beachtet wird oder man hinzunehmen gewöhnt ist, Gedanken zu machen. Lösungen werden jedoch nicht angeboten – die muss jeder schon selber für sich und seine Situation finden.
Die Erzählungen eignen sich nicht zum schnellen Herunterlesen, da viele Feinheiten verloren gehen würden. Auf den ersten Blick hin mögen die Episoden einfach, seltsam und skurril erscheinen, aber mit dem zweiten Blick sieht man tiefer. »Der fabelhafte Hub« wendet sich mit kurios-kritischen Szenen an Leser, die sich für experimentelle und surrealistische Literatur fernab des Mainstreams interessieren.

 

 

 


 

 

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