Kunstraum Liebusch

 Der fabelhafte Hub

 

geschrieben von Michael Liebusch

mit Zeichnungen von Edith Kaiser

 

Vorworte von der Frankfurter Schriftstellerin Brigitte Bee und dem Galeristen C.P.Schneider

 

Essay von Johannes Farr: Proteus` Reise in die Moderne oder: "Hub und seine Verwandten". Ausschnitt  pdf

 

89 Episoden, 56 farbige Bilder, 152 Seiten.

 

ISBN 978-3-8391-2116-0, Books on Demand, Norderstedt 2009, € 22,00 [D], im Buchhandel oder Internet

 

Neu: Als E-Book: ISBN 9783842395312 für € 16,99

 

Rezension von Irene Salzmann, Rattus libri

 

Inhaltsverzeichnis pdf

 

Frankfurter Literaturtelefon vom Oktober 2009, Michael Liebusch spricht Hub (ca. 5 min)

 

Johannes Farr spricht "Der fabelhafte Hub" Kapitel 1252236

   

 »Hub ist eher ein Wesen aus Geist, als aus Materie. Er ist mit einer so starken Geisteskraft ausgestattet, dass er Materie zuweilen mühelos überwinden, ja sogar verwandeln kann. Möglicherweise ist Hub ein Wesen, das die Quantenphysik lebt und erlebbar macht. Zeit ist für ihn nichts Lineares. Hub spaziert in diversen Zeit-, Raum- und Realitätsebenen herum, was seine Mitmenschen hin und wieder erheblich verstört. Mit großem Eifer versucht er eine Identität, einen Platz in der so rätselhaften Welt zu finden.«

 Brigitte Bee

 

 

"Hub als Papst" (Edith Kaiser)

   

»Huhu Hub!«

 

Zu den Illustrationen von Edith Kaiser

Man möchte ihm zuwinken, ihm ein freundliches Lächeln schenken, ihm ganz nahe kommen: In Edith Kaisers Zeichnungen nimmt die literarische Figur eine sympathische Gestalt an. Mit seinen drei wehenden Nackenhaaren an dem Kahlkopf, der frech vorstehenden Nase, seinen listigen Knopfaugen und dem schmalen Mund wird Hub zum unverwechselbaren Typ.
Bei aller Verwandlungskunst im Rollenspiel von Liebuschs Erzählungen, bleibt Hub stets souverän. Mit dem klaren Bildaufbau, einer übersichtlichen Linienführung und der großflächig angelegten subtilen Farbigkeit, erhalten diese Illustrationen eine sehr feinsinnige Ästhetik, die über den gängigen Comicstil hinausweist und die Zeichnung als autonomes Kunstwerk kennzeichnet.
Gerade wenn man die literarische Vorlage noch nicht kennt, vermitteln diese Szenenbilder einen authentischen Einstieg in Hubs Welt. Edith Kaisers Bildsprache wirkt anregend, macht neugierig und schafft eine leicht eingängige Verbindung zwischen Text und Bild.
Mit der Erfindung der visuellen Marke Hub ist der Zeichnerin ein großer Wurf gelungen; dies wird umso deutlicher, wenn man die Bilder in Postergröße an der Wand hängen sieht. (...)

Claus-Peter Schneider, Galerist
 

"Hub auf der Insel"  

 

Tondatei, gesprochen von Johannes Farr

 

Hub auf der Insel

 

Hub lebt auf einer unentdeckten Insel. In seiner kleinen Kaffee­plantage mit Meeresblick sitzt er und denkt an mögliche Welten draußen in den Meeren.
Niemand weiß etwas über Hub.
Für Hub besteht die Welt aus kleinen Inseln mit je einem Bewohner.
Hub ist nicht geboren worden. Er wurde vom Meer angeschwemmt.
Hub hat als Baby von einem ziegenhaften Wesen, das durch Zufall am Ufer stand, Milch bekommen.
Hub hat Vertrauen in das Meer und zu Ziegen. Er sehnt sich nach niemandem. Hub kann sich nicht vorstellen, seine Insel mit anderen zu teilen.

   

 

Hubs Freundschaft mit den Vögeln

 

Hub kennt seinen Vater und seine Mutter nicht. Doch er möchte wissen, woher er stammt.
Bevor er im Meer trieb, kurz nachdem er geboren war, spielte, von väterlicher Hand aufgelegt, eine Schallplatte von Enrico Caruso.
Hub weiß nichts von dieser Schallplatte. Eine Melodie von Caruso ist für Hub die leise Erinnerung an seine Eltern.
Die Vögel trällern auf seiner Insel Tonfolgen aus diesem Lied. Der Vogelgesang erweckt bei Hub ein warmes Gefühl von Zugehörigkeit.
Hub weiß, dass er nicht von den Vögeln abstammt. Er hat ja keine Federn.

 

Tondatei, gesprochen von Johannes Farr

»Liebusch verleiht, ganz in nachmoderner Manier, dieser Figur etwas Mythisches oder Märchenhaftes. Wo es Hub an zivilisatorischer und sozialer »Menschengeschichte« gebricht, an physischer und psychischer Konkretion, da kompensiert er all dies durch Kraft und Charisma eines mythischen, ja religiösen Ursprungs; denn Hub ist im Körbchen geboren, wie Moses, oder aus dem Wasser, wie ein antiker Gott, oder aus dem »Geist der Musik«, sozusagen aus der Stimme des »göttlichen« Caruso, eines Quasi-Vaters, im Sinne einer »unbefleckten Empfängnis«. Hub ist kein hohler oder unglückseliger Niemand, vielmehr ist er sich selbst genug. Eher aus Neugier (ironischer Kunstgriff) unternimmt er Reisen ins Newtonsche bzw. Odyseeische Universum, erlebt dort Befremdliches, amüsiert sich dabei jedoch einigermaßen, mal recht, mal schlecht, und kehrt zur Erholung aus der verwalteten Welt zuweilen auf seine Insel zurück, um sich an seiner mythischen Substanz wieder zu kräftigen....«

 

Johannes Farr, Hörbuchsprecher

 

Rezension in Rattus Libri von Irene Salzmann:

 

 „Der fabelhafte Hub“ ist kein Mensch, aber sehr viel menschlicher als viele Personen, denen man alltäglich begegnet. Er wurde auch nicht geboren, sondern eines Tages vom Meer an das Ufer einer Insel gespült, wo ihn eine Ziege mit ihrer Milch ernährte. Lange vermisst Hub nichts, freundet sich mit den Tieren seiner kleinen Welt an, träumt vor sich hin und ist glücklich.
Tief in seinem Innern möchte Hub jedoch wissen, woher er stammt und wer seine Eltern waren. Er begreift, dass er anders ist als die Tiere um ihn herum und sehnt sich nach Seinesgleichen – nach menschlichen Kontakten. So verlässt er seine heile Welt und betritt die der Menschen.
Praktisch mit den Augen eines Kindes und unvoreingenommen betrachtet Hub sein neues Umfeld und bleibt trotz gewisser Integritätsversuche ein Außenstehender. Was er sieht, nimmt er aus einer ganz eigenen Perspektive wahr, die Personen, die in jenem Milieu aufwuchsen, verschlossen bleibt. Was er erfährt, nimmt er wortwörtlich; seine Erklärungen für die Dinge sind einfach und unmittelbar. In Folge reden er und seine Bekanntschaften, die unnötig kompliziert denken und festgefahrene Standpunkte haben, oft aneinander vorbei.
Im übertragenen Sinn erlebt Hub das, was vielen (Introvertierten) widerfährt, die in eine neue Umgebung und unter andere Menschen versetzt werden: Man muss das Vertraute verlassen, und nicht immer gelingt es, Fuß in dem fremden Umfeld - in einem relativ geschlossenen Kreis - zu fassen. Die Gruppe hat ihr eigenes kleines Gesellschaftssystem und feste Strukturen, die für den Neuling schwer zu verstehen sind (das Kind im Kindergarten oder der Schule, das als einziges aus einem anderen Dorf oder unter dem Jahr dazu kommt, der Student im 1. Semester, der fremd in der Stadt ist und Anschluss bei den Leuten in seinen Vorlesungen und im Wohnheim sucht, der Angestellte, der versetzt wurde und seinen Platz unter den neuen Kollegen und Nachbarn finden muss, die jungen Eltern, die durch ihre Kinder einen neuen Bekanntenkreis zu erschließen versuchen ...).
Die kleinen Geschichten, die sich um Hub ranken, lassen sich vielfältig interpretieren. Auf unaufdringliche Weise kritisiert Michael Liebusch durch die naive und doch tief schürfende Weltsicht seines Protagonisten starre Systeme und etablierte Verhaltensweisen, den Mangel an Miteinander und Verständnis für andere, den Egoismus und die Ignoranz. Man erkennt die eine oder andere Anleihe/Anspielung des Autors wieder, darunter die Schaum geborene Venus, Cervantes „Don Quixotte“ und den Schmetterlingstraum des Chuang-Tzu.
Der Band ist in zwei Abschnitte mit jeweils 28 Erzählungen von unterschiedlicher Länge gegliedert. Im ersten Teil erfährt man, wie Hub geboren wurde, wie er seine Insel verließ, um nicht mehr allein zu sein, und wie er die ihm fremde Welt der Menschen erforscht. Dabei wird er mit alltäglichen Situationen konfrontiert, z. B. mit einer Urlaubsreise und einem Aufenthalt im Wartezimmer eines Arztes. Nicht mehr ganz so zufällig wirken Hubs Erlebnisse in der zweiten Buchhälfte, in der gezielt bestimmte Themen, die jeden mehr oder minder beschäftigen, ernsthaft behandelt oder auf die Schippe genommen werden wie der Sinn bzw. Unsinn der modisch zerlöcherten Hose oder das wohl gemeinte Märchen vom Weihnachtsmann.
Die Illustrationen von Edith Kaiser sorgen auch optisch für einen gewollten Bruch: Im ersten Teil sind es schwarz-weiße Aquarelle, im zweiten cartoonhafte, am PC kolorierte Zeichnungen, die Situationen aus den Geschichten darstellen. Der Autor bewegt sich in vertrauten Bereichen und verfremdet diese durch die eigentümliche Betrachtungsweise seines Protagonisten. Er bringt den Leser dazu, sich über etwas, was für gewöhnlich nicht weiter beachtet wird oder man hinzunehmen gewöhnt ist, Gedanken zu machen. Lösungen werden jedoch nicht angeboten – die muss jeder schon selber für sich und seine Situation finden.
Die Erzählungen eignen sich nicht zum schnellen Herunterlesen, da viele Feinheiten verloren gehen würden. Auf den ersten Blick hin mögen die Episoden einfach, seltsam und skurril erscheinen, aber mit dem zweiten Blick sieht man tiefer. „Der fabelhafte Hub“ wendet sich mit kurios-kritischen Szenen an Leser, die sich für experimentelle und surrealistische Literatur fernab des Mainstreams interessieren.
(Irene Salzmann)

   

 

 

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